Mein Abschied zur Kirchweih 2017 - helmutg.mueller.de

Helmut G. Müller - Kloster Hachborn
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Predigtarchiv > Abschied
Kerbgottesdienst zum Abschied von Pfarrer Helmut G. Müller am 13.8.2017

Im Namen
Herzlich willkommen. Ich freue mich so viele Talente hier  zu sehen. Um Talente geht es heute nämlich, am 9. Sonntag nach Trinitatis, und  bei uns hier der Kerb, dem Fest der Kirchweih. Gleich vier Chöre und ein Orchester haben wir dazu hier mit talentierten Sängern und Sängerinnen, Eintracht Mittelbuchen, Gesangverein Vorwärts, die Buchentöne, unseren neuen Gospelchor und dann noch das Blasorchester mit vielen Nachwuchstalenten. Und dazu sie alle, mit manchem noch unentdeckten Talent. Aber sie können sich ja mal drauf testen lassen. Singen sie am Montag bei den Buchentönen vor oder im Gospelchor, am Dienstag bei der Eintracht  Mittelbuchen, am Donnerstag bei Vorwärts oder Kirchenchor, am Freitag ist Blasorchester und Mittwochs machen sie Gymnastik oder tagen im Kirchenvorstand
Genau das ist nämlich Gottesdienst. Gott dient uns, in dem er uns Begabungen schenkt. Und heute also sind wir hier damit  jeder mit seinen Gaben dem anderen dient, sodass es einen guten gemeinsamen Klang gibt. Gelegentlich haben wir neben Sängern, Musikern und nem Redner in der Kirche noch Leute die die Becher füllen fürs Abendmahl oder bei der Austeilung helfen. Heute  morgen haben wir da statt Abendmahl Frühschoppen, aber auch an dieser Stelle ein Lob für all jene, die einen ganz praktischen Dienst übernommen haben.
Das ist Kirche. Dem ist sie geweiht: Dass hier wirklich jeder mitmachen kann, mit seinen Gaben. Und sollten sie jetzt sagen, ich kann nicht singen, ich kann nicht beten, ich spiele auch kein Blasinstrument, und der Dienst an der Theke zum Frühschoppen, das ist auch nicht meine Sache, dann erinnere ich sie auch gerne daran, dass ein Talent ursprünglich eine Währungseinheit ist. Sowas wie heute der Euro, und den können sie als ihr Talent nachher in den Klingelbeutel werfen.  Diese Talente dienen heute, wie immer zur Kirchweih, für die weitere Renovierung der Kirche. Wir sammeln sie nach der Predigt ein. Ich danke hier noch mal allen herzlich, die sich bisher schon daran beteiligt haben. Über 60.000 € sind  zusammengekommen. Ein noch größerer Dank an all jene, die einfach ihren Mitgliedsbeitrag bezahlen. Wir konnten die Innenrenovierung damit abschließen. Nun geht es weiter. Die Heizung soll leiser werden und im Abschnitt zwei wollen wir die Getränkehütte zu einen kleinen Bewirtungsbereich mit WC-Anlage ausbauen, damit die Gottesdienste in der Kirche nicht mehr so trocken sind.
Doch jetzt bitte ich erstmal um ihr musikalisches Talent. Denn eines ist sicher in der Kirche und das soll auch so bleiben. Das Amen. ("Amen" anleiten)

Psalm: 98
SB: 1 Singet dem HERRN ein neues Lied,
denn er tut Wunder.
4 Jauchzet dem HERRN, alle Welt,
singet, rühmet und lobet!
5 Lobet den HERRN mit Harfen,
mit Harfen und mit Saitenspiel!
6 Mit Trompeten und Posaunen
jauchzet vor dem HERRN, dem König!
7 Das Meer brause und was darinnen ist,
der Erdkreis und die darauf wohnen.
8 Die Ströme sollen frohlocken,
und alle Berge seien fröhlich
Er wird den Erdkreis richten mit Gerechtigkeit und die Völker, wie es recht ist.
Singet dem HERRN ein neues Lied,
lobsingt ihr Völker alle ….
EG 181.6 Laudate omnes gentes

Bittruf
Manchmal sehen wir nur Ende. Nachlassende Kräfte. Wir werden weniger. Können wir noch in Eintracht beieinander bleiben? Klingen die Lieder weiter? Wir bitten Gott um gute Hoffnung. Ich begrüße den Männerchor Eintracht Mittelbuchen, mit den Sängern aus dem Ruthschen Doppelquartett. Sie sind heute wohl das letzte Mal in dieser Formation hier auf der Kerb. Es fehlt an Sängern.  Es wird noch ein Abschiedskonzert im Advent geben und dann? Hören sie das Lied jetzt auch als Bittruf, dass dieses gute Werk weitergeht und manches andere auch.
Chor: Eintracht Mittelbuchen
Lobpreis
Wenn wir heute zurückblicken auf insgesamt 154 Jahre Männergesang  hier in Wachenbuchen, von der Harmonie übers Doppelquartett zur Eintracht, so ist da ganz viel an Dankbarkeit. So vieles an guten Erinnerungen und  Wachenbuchen und Mittelbuchen sind also jetzt in Eintracht verbunden. Auch ich selbst verdanke dem Männerchor einen ganz wichtigen Impuls. So wurde ich im Jahr 1994 mal eingeladen die Festrede zum Jubiläum des Doppelquartetts zu halten. Ich habe das gerne gemacht und anscheinend auch ganz gut, sodass dannach Festreden und Konzertmoderationen zu einem sehr wichtigen Teil meiner Predigtaufgabe geworden sind. Gott sei Lob und Dank.
Chor: Eintracht Mittelbuchen

Gebet
Himmlischer Vater, dir danken wir für so viele gute Jahre, für guten Geist, guten Klang und gutes Miteinander. Für manches versöhnende Wort, für Aufbrüche und Anfänge. Hilf uns darauf zu vertrauen, dass du kommst und uns Zukunft schenkt. Wecke in uns die Lust, dem Himmelreich entgegen zu gehen, in der Nachfolge Jesus Christi und in Erwartung seiner Wiederkunft mit der Kraft des Geistes mit dem Du lebst und liebst von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Gemeinde: Amen (Gospel)

Evangelium
Matthäus 25, 14- 30, Das Gleichniss von den Talenten und Matthäus
Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Menschen der ins Ausland ging. Er rief seine Arbeiter und Angestellten zu sich, und übergab ihnen sein Eigentum. Dem einen gab er fünf Talente, dem anderen zwei, dem dritten eins, jedem nach seinen Fähigkeiten. Dann ging er. Als er fort war, machte sich der mit fünf Talenten sogleich ans Werk, arbeitete mit seinem Geld und machte Gewinn: Fünf gewann er dazu. Genauso gewann der mit zwei Talenten noch zwei dazu. Der aber, der ein Talent hatte, grub ein Loch in die Erde und versteckte darin das Goldstück, das er empfangen hatte.
Als der Eigentümer nun nach langer Zeit heimkehrte und mit seinen Angestellten abrechnen wollte, trat als erster der vor, der fünf Talente bekommen hatte und legte weitere fünf dazu: »Herr«, sagte er, »fünf Goldstücke hast du mir anvertraut, schau, fünf Goldstücke habe ich noch dazuverdient.«
Da sagte der Herr: Ich sehe, du bist ein guter und zuverlässiger Mitarbeiter. Weil du treu im Kleinen warst, will ich dir Großes anvertrauen. Komm mit mir, das Fest wartet auf uns.
Dann kam der mit zwei Talenten und sagte: »Herr, zwei Goldstücke hast du mir anvertraut, zwei habe ich noch dazuverdient.
Da sagte der Herr: »Ich sehe, du bist ein guter und zuverlässiger Mitarbeiter. Weil du treu im Kleinen warsts, will ich dir Großes anvertrauen. Komm mit mir, das Freudenfest wartet auf uns.
Schließlich kam der, der ein Talent empfangen hatte und sagte: »Herr ich wußte, daß du hart und unbarmherzig bist: Ernten willst du, wo du nicht sätest, und scheffeln wo du keine Saat ausgestreut hast!  Ich hatte große Angst vor dir: Deshalb vergrub ich das Talent in der Erde. Hier hast du es zurück.
»Du Nichtsnutz! Faulpelz!«, rief da der Herr, »Du wustest«, sagst du, »daß ich ernte, wo ich nicht gesät habe und scheffle, wo ich keine Saat ausgestreut habe? Dann hättest du mein Geld auf die Bank bringen müssen, damit es Zinsen erwirtschaftet und ich es bei meiner Rückkehr wiederbekäme: und zwar mit Gewinn! Auf! Nehmt ihm das Geld ab! Gebt es dem, der die zehn Goldstücke hat!
Denn wer da hat, dem wird gegeben werden, und er wird im Überfluß haben. Wer aber nichts hat, dem wird auch das Nichts noch genommen. Und nun werft ihn hinaus, unnützt und überflüssig wie er ist! Ins Elend mit ihm, wo Heulen und Zähneklappern ist.

Weil von Ihnen hier heute keiner unnützt und überflüssig ist können wir das Lob Gottes anstimmen.
Halleluja: Mit dem Chor Buchentöne/Kirchenmäuse und der Chorleiterin Caroline Adam, 23 jährige gemeinsame Geschichte. Singkreis aus Familienfreizeit, bis tief in die Nacht gesungen, letztes Lied: Gute Nacht Freunde, es wird Zeit für mich zu gehen ... .
Chor: Buchentöne

Predigt
Matth. 25, 14 – 30, das Gleichnis von den Talenten und Matthäus 13, 4- 9, das Gleichnis vom Sämann

Wie fühlst Du Dich denn so, jetzt beim Abschied nach über 35 Jahren? In den letzten Wochen bin ich das häufiger gefragt worden. Das Evangelium für den heutigen Sonntag gibt meine Stimmungslage dabei ganz gut wieder. Dass Sie, dass Ihr alle in so großer Zahl heute da seid macht dabei schon mal klar: Es ist nicht Heulen und Zähneklappern. Ich hoffe auch, dass ich kein Nichtsnutz und Faulpelz war, der sein Talent vergrub und heute ja noch nicht mal auf der Bank Zinsen kriegen würde.
Es ist eher das Gefühl großer Dankbarkeit: für manches Risiko, das sich gelohnt hat, für vieles was gelungen ist und es ist der Stolz auf manches Talent, das mit den Jahren dazu gekommen ist: Talente, Mitarbeiter, Menschen, die Goldstücke waren und sind.  „Mein Schatz“, sage ich dabei besonders zu einer, es sind aber ganz viele Andere von Ihnen, die ich in all den Jahren sehr zu schätzen gelernt habe. Ein großer Schatz. Auf einen Rückblick auf 35 Jahre verzichte ich jetzt allerdings. Sie können den im Buchenblatt  oder auf unserer homepage nachlesen und der Tagesanzeiger hat ja auch schon freundlich berichtet. Heute höre ich vor allem die Stimme des Evangliums, die sagt: „Ich sehe, du bist ein guter und zuverlässiger Mitarbeiter. Weil du treu im Kleinen warst, will ich dir Großes anvertrauen. Komm mit mir, das Freudenfest wartet auf uns.“
Ein Freudenfest wartet. Deshalb höre ich auch für die letzte Predigt noch die Mahnung: Machs nicht zu lang. Es gibt heute auch noch ein paar mehr, die was sagen wollen, und gegen trockene Gottesdienste hilft vor allem, dass die Leute etwas zu trinken kriegen. Das war mal das Kennzeichen für die Einführung der Reformation vor knapp 500 Jahren. In der Kirche gab es jetzt Wein für alle. Da war’s nicht mehr trocken.
Evangelium, gute Nachricht, da geht es vor allem darum, dass in dir die Lust am Dasein geweckt wird, dass das Leben soviel Spass macht, dass selbst mancher Kranke darüber gesund wird. Dass dir jemand Mut macht, dafür auch Risiken einzugehen. Risiko – heißt auch immer: Du kannst scheitern. Jesus erlebt das ultimative Scheitern am Kreuz und den ganzen Wahnsinn der Hölle, aber am Ende steht die Himmelfahrt, der Aufstieg zur rechten Hand Gottes.
Deswegen: vergrab dein Talent nicht, entdecke es, mach was draus. Am Ende wartet der Himmel. „Welch hohe Lust, welch heller Schein.“
Und für Jene, die allzusehr auf schrumpfende Kirchen, reduzierte Pfarrstellen, vertrockenendes und zu Ende gehendes fixiert sind erzählt Jesus noch ein anderes Gleichniss vom Himmelreich:
Matthäus13: Es ging ein Sämann aus zu säen.
4 Und es begab sich, indem er säte, dass einiges auf den Weg fiel; da kamen die Vögel und fraßen's auf.
5 Einiges fiel auf felsigen Boden, wo es nicht viel Erde hatte, und ging alsbald auf, weil es keine tiefe Erde hatte.
6 Als nun die Sonne aufging, verwelkte es, und weil es keine Wurzel hatte, verdorrte es.
7 Und einiges fiel unter die Dornen, und die Dornen wuchsen empor und erstickten's, und es brachte keine Frucht.
8 Und einiges fiel auf gutes Land, ging auf und wuchs und brachte Frucht, und einiges trug dreißigfach und einiges sechzigfach und einiges hundertfach.
9 Und er sprach: Wer Ohren hat zu hören, der höre!

Ja, und wenn sie jetzt Ohren haben zu hören, dann hören sie doch heute mal, dreißig und sechzig und hundertfach – das Lob Gottes von vier Chören, dazu das Blasorchester und auch sie alle, die sie hier mitsingen und ihr Amen dazu geben – freut euch einfach darüber, dass wir hier in großer Gemeinschaft zusammen sind.  
Darauf will Jesus hinaus: Dass wir den Blick auf diese wunderbare, aufgehende Saat lenken, auf die große Ernte, die reiche Frucht eines Lebens. Dass wir uns daran freuen und dem Himmel danken. Dass wir hier Kerb feiern können, mit sovielen Menschen, und auch so vielen, die alle ihre Talente mit einbringen. Da ist soviel, was wächst. Manchmal ganz unverhofft wächst. Gott sei Lob und Dank.
Es wird nicht verschwiegen, dass manches auch nicht aufgeht. Es  wird nicht verschwiegen, dass manches am vertrocknen ist und zu Ende geht. Das ist für den, der darauf blickt allemal traurig, und es braucht bisweilen dazu auch Trauerbegleitung. Anderenorts war das im vergangenen Jahr auch nötig, wenn am Sonntag zum Agende 1 Gottesdienst wir nur  singen konnten: Liebster Jesu, wir sind vier. Und nur vier Leute, das ist nicht mehr tröstlich.
Es braucht dann jemand, der in all dem zu Ende gehenden, Augen und Ohren wieder öffnet, für das was neu wächst, aufgeht und so reiche Frucht bringt: die ganze Fülle Gottes.

Ich habe diese Fülle Gottes in all den Jahren sichtbar erlebt, und in den letzten Wochen noch einmal besonders. Wir hatten zwar viele Beerdigungen, aber noch mehr Taufen. Auch mein letzter Gottesdienst in der Kirche – ein gut besuchter Taufgottesdienst und selbstverständlich mit Abendmahl.  Da hat sich die Lya nach entsprechendem Religionsunterricht in der 1. Klasse entschieden: ich will getauft werden. Mama und Papa hats gefreut und der hat mit ein paar anderen auch gleich die Musik dazu gemacht. Morgen abend spielt der dann zur Kerb gleich nochmal auf.
20 Taufen im halben Jahr, und das wäre sicher noch steigerbar auf 30, 60 100fach etwa durch eine Reform unserer Taufpraxis und der Wiederentdeckung eines zentralen Elementes der Reformation. Die Vakanzzeit bietet dafür eine besondere Gelegenheit: Das Priestertum aller Gläubigen. Am Ende des Matthäusevangliums heißt es nicht: und die elf Pfarrer gingen auf den Berg, wohin Jesus sie beschieden hatte und er gab ihnen den Auftrag zu taufen. Es heißt: die elf Jünger, seine Schüler, gingen dahin. Seine Schüler aber, das ist jeder Christ. Seitdem gilt das Prinzip: Jeder der getauft ist, kann auch selber taufen. Es hat geschichtliche Gründe, dass man die Taufe später an das Pfarramt gebunden hat, und nur in Notfällen auch einfache Christen taufen sollten. Doch heute haben sich die Bedingungen geändert.
Ich bin gewiss, es ist nicht der Unglaube der Menschen, es ist der Herr, der uns die gegenwärtige Not der Kirche hier bei uns schickt, mit der klaren Botschaft: Wenn Not ist, dann hat jetzt wieder jeder Christ den Auftrag zur Taufe. Jetzt ist jeder gefordert Patenschaften zu übernehmen, auch ohne pfarramtlichen Patenschein. Mission heißt dann, einfach Beistand zu sein für die Menschen, die hier in unserem Land leben wollen, die hier Heimat suchen und erst recht für jene, die schon lange hier wohnen, aber immer noch fremd geblieben sind oder sich gar zunehmend fremd fühlen. Die Taufe ist da ein kleines Ritual und ein großes Symbol: Du gehörts hier dazu. Wir wollen, dass du da bist mit all deien Talenten.  
Du musst nicht deiner Herkunftsreligion oder Kultur abschwören. Du kannst behalten, was dir daran gut und wichtig ist, aber du darfs auch wissen: Du gehörst mit all dem auch hier dazu.  Du bist – mit einem Wort des Apostel Paulus - nicht mehr bloss Gast und Fremdling, sondern Mitbürger und Gottes Hausgenosse.
Die Taufe als Ritual so klein, dass es jeder Christ durchführen kann, als Symbol so groß, dass es die Welt in Frieden zusammenbringt.
Das hat Konsequenzen für unserer kirchliche Praxis. Im Konfirmandenunterricht etwa, nicht nur alles mögliche über die Taufe lernen, sondern einüben wie man tauft. Wir lernen auch nicht alles mögliche über das Abendmahl. Wir feiern es – und wenn das Abendmahl am Morgen ist, darf es zur Not auch schon mal Frühschoppen heißen. Auf den Geist kommt es an. Mit dem entsprechenden Geist ist auch Jesus hier ganz real präsent mit am Tisch. Die große Zahl der Paare, die hier auf der Kerb zusammenkamen und die ich dann im Laufe der Jahre getraut habe bestätigt jedenfalls: Hier, auf diesem Fest, geht es mit Lust und Liebe zu, und in vielen Fällen ist auch etwas herausgekommen, was Hand und Fuß hat.
Die Bindung der Taufe an des Pfarramt hatte mal den guten Sinn, dass das ordentlich gemacht und dokumentiert wird und du dir deines Heils auch sicher kannst: Ich gehöre hier wirklich dazu, zu denen die zum Freudenfest geladen sind.
Im Grunde ist die Sache aber so wie wenn du Wachenbücher werden willst. Da musst du nur am Kerbmontag im Festzelt sein. Dann gehörst du hier dazu, selbst wenn du in Hochstadt wohnen solltest. Das wird dann einfach großzügig vergeben und mit Mittelbuchen gehören wir eh schon fest zusammen. Und wenn du später Zweifel haben solltest, dann gehst du auf die Bildsseite von dem Hans-Jürgen Stumpf, schaust dir im Internet die Fotos von der Kerb an und entdeckst: Da ist ja mein Gesicht dabei. Vielleicht hatte ich ein bisschen viel getrunken aber ich war wirklich da. Ganz real, ich gehöre dazu.

Es bleibt noch die Frage der Ethik. Was mache ich wenn ich dazu gehöre, zur Christenheit in Buchen und anderswo? Wie wirkt sich das aus?
Die Antwort Jesu ist ganz einfach. Setz dein Talent ein! In der Bibel ist damit noch das Geld gemeint. Aufgrund der Wirkungsgeschichte des Gleichnisses verstehen wir heute unter einem Talent, die Begabung, die der Himmel in dich gelegt hat.  Vergrab deine Begabung nicht im Loch. Mach Musik damit, wie all diese talentierten Leute hier beim Blasorchester oder in den Chören. Setz dein Talent ein, heute abend etwa bei der Suche nach dem Dorfchampion, oder morgen beim Dienst an Theke oder Küche. Setz deine Begabung ein, das Jahr über in deinem Beruf, in deiner Familie, in den Vereinen und in der Politik.  
Der eine kann Häuser löschen, der andere den Durst, der eine trifft den Nagel auf den Kopf, der andere den Ball ins Tor, aber jeder kann was und kann das weiter entwickeln. Heulen und Zähneklappern über versäumtes Leben muss doch nicht sein.
Und wenn einer sich nun so gar nichts zutraut, wenn einer allzu mutlos ist, dann soll er doch wenigsten die anderen nicht blockieren, die sich was trauen. Er kann doch wenigstens mit dafür sorgen, dass die, die Gottvertrauen haben, hier ihre Talente auch entfalten können. Da klopfen viele ja bei uns an, die riskieren ihr Leben, um sich hier bei uns ein neues aufzubauen. Wer soviel riskiert, will nicht faul in der Ecke liegen. Da sind viele Talente, die sich hier entfalten wollen.

Und wenn wir darüber Sorgen ums christliche Abendland haben, dürfen wir die auch alle taufen, auch wenn gerade mal kein Pfarrer da ist.
Eine der schönsten Taufen in unserer Gemeinde, steht nicht im Kirchenbuch und ob unsere Landeskirche sie anerkennt ist fraglich, aber sie ist mir nachhaltig in Erinnerung geblieben. Da war Alma aus Bosnien, Muslima von der Herkunft her. Sie hat ihr freiwilliges soziales Jahr bei uns in der Kita gemacht.
- Wenn ich mal sehen will, wie die Kirche von morgen aussieht, dann gehe ich ja gerne mal ein Stockwerk tiefer in unsere Kita.-  Da arbeitete sie damals also gleich im ersten Jahr der Gründung vom Buchennest -  und Jugendarbeit hat sie außerdem noch gemacht. Und das so gut, dass ihr einige Jugendliche einen wunderschönen Abschied bereitet haben. Den Gemeinderaum mit Kerzen ausgeleuchtet, ein rotes Herz gelegt für sie. Später lief sie mir am Tag des Abschieds über den Weg, Pitschenass von oben bis unten. „Die haben mich getauft“, rief sie mir zu. Als ich die Jugendlichen fragte, sagten die ganz unschuldig und voller Freude: Wir haben sie halt getauft, mit einem Eimer Wasser über den Kopf. Damit war klar: Du gehörst hier dazu.
Ich weiß nicht ob diese Form der Taufe für jeden etwas ist, aber mit einem Element christlicher Taufpraxis könnte fast jeder schon mal anfangen. Nämlich der Übernahme von Patenschaften. Elternschaft in Gott, Vertrauensperson für Kinder aber auch manchen Erwachsenen zur Talentförderung. Denn das braucht die Seele ja wie Wasser: Das da jemand ist, der dir sagt: Ich glaube an dich.
Wenn dann Glauben mit Glauben beantwortet wird und der neue Pfarrer da ist, dann kann es ja dann auch noch mal ein ordentliches Fest geben mit Brief und Siegel, mit Wasser und Wein.

Und wenn der Herr einst wiederkommt wie in dem Gleichniss, wenn du da vor Gottes Thron stehst und er dich fragt: Was hast du gemacht aus deinem Leben. Dann kannst du stolz auf glückliche Gesichter verweisen, und den großen Lobgesang anstimmen: „Herr, das Talent zu singen hast du mir in die Wiege gelegt, und jetzt spiele ich auch noch Klavier dazu, einige Schüler habe ich auch noch gewonnen und inzwischen ist es ein großer Chor.  Der Herr wird dir dann sagen:  Weil du treu im Kleinen warst, will ich dir Großes anvertrauen. Und schon hast du den Aufttrag, den himmlischen Engelschor mit soviel tausend Seraphim zu dirigieren - und wenn du noch nicht gleich in den Himmel willst und lieber Fussball spielst, dann bringst du es mit der KEWA halt erstmal ziemlich weit nach oben und feierst mit dem gleichen Verein hier das größte Maintaler Volkfest.  Ein kleiner Vorgeschmack auf den Himmel.
Amen
Lied
Aber das singen wir jetzt mal am besten: Geh aus mein Herz und suche Freud …

Fürbitten
Gott, du lebst auf unter uns, wenn unsere Gemeinde lebt.
Laß uns in unserer Gemeinde die vielfältigen Begabungen entdecken, die in uns stecken.
Laß sie so zur Geltung kommen, daß wir uns hier zu Hause fühlen wie in einem blühenden Garten.
Mache den Jungen Lust am Leben mit der Weisheit der Alten. Und halte die Alten in Bewegung
durch die Anregung der Jungen.
Hilf den Eltern,mit ihren Kindern das Leben
neu für sich zu entdecken. Die Kranken pflege
mit der heilenden Besorgnis der Gesunden.
Laß die Traurigen unter uns Geborgenheit finden,
in der sie sich ausweinen können.
Öffne unsere Türen für die, die uns fremd geworden sind.
Wir danken dir, Gott, daß du uns so viele Talente geschenkt hast,
mit denen unsere Gemeinde, unsere Dörfer, unsere Städte
zu einer fröhlichen und lebendigen
Gemeinschaft wachsen können.

Vater unser

Gemeindelied: von guten Mächten 1+7

Verabschiedung Thekla Schäfer
Zur Kirche gehört seit der Speisung der 5000 durch Jesus Essen und Trinken  fest dazu. Während mein Part hauptsächlich im Reden bestand, hatten wir seit 32 Jahren jemand, der für’s Essen und Trinken zuständig war, und da meist für den Tröster. Der Tröster, das ist in der Bibel ein anderes Wort für den heiligen Geist und bei uns auch ein anderes Wort für Theklas Beerdigungskafffees. Liebe Thekla, wir hören jetzt gemeinsam auf. Komm noch mal hier hoch, und vor allem bring deinen Mann mit.
Als angehender Pfarrer habe ich im Predigerseminar gelernt -  und das ist haften geblieben: "Ganz wichtig ist, dass sie in ihrer Gemeinde einen Willi haben". Willi, das war dabei der Name für jemand, der für’s  handwerklich Praktische da ist, den Kontakt zu den Vereinen hat und weiß, was im Dorf los ist.  In manchen Orten heißt er auch Werner aber bei uns ist es tatsächlich der Willi: Willi Schäfer.
Ihr beiden steht jetzt stellvertrend für viele Mitarbeiter, die in den Jahren dazukommen sind. Sie waren und sind die guten Mächte, die uns getrost in die Zukunft blicken lassen und mich immer wieder ermutigt haben.

Lied:  von guten Mächten

Verabschiedung durch den Dekan

Gesangverein Vorwärts

Schlusssegen

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