Trauansprache: Nichts Größeres als die Liebe (2017) - helmutg.mueller.de

Helmut G. Müller - Kloster Hachborn
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Hochzeit


 Traupredigt zu 1. Korinther 13, 1 - 13  (2017)

Wenn ich mit Menschen- und mit Engelszungen redete und hätte die Liebe nicht, so wäre ich ein schepperndes Blech oder ein dröhnender Gong.
 Und wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe und ließe meinen Leib verbrennen, und hätte die Liebe nicht, so wäre mir's nichts nütze.
 Die Liebe ist geduldig und freundlich, die Liebe ist nicht fanatisch, die Liebe ist nicht willkürlich, sie bläht sich nicht auf, sie verhält sich nicht unanständig, sie sucht nicht das Ihre, sie läßt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht an, sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit;
 Sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles. Die Liebe hört niemals auf.
 Wir sehen jetzt durch einen Spiegel ein dunkles Rätselbild; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen, wie ich gedacht bin. Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die Größte unter ihnen.
 
Traugeschichte
 
Liebe Hochzeitsgemeinde, liebes Brautpaar,
 Glaube, Hoffnung, Liebe, das war schon der Konfirmationsspruch von Dir, liebe .... . Nun also steht es auch über der Trauung.
 1. Glaube: Glauben im Sinne von Vertrauen – fragt man danach, wer das am meisten lebt, so landet man bei der Feuerwehr. Fragt man die Deutschen, welcher Beruf bei ihnen das meiste Vertrauen genießt, so steht der Feuerwehrmann ganz oben und heute ja auch die Feuerwehrfrau. Nicht nur das, auch in Sachen Liebe sind sie an der Spitze. Feuerwehrleute gelten als besonders sexy und sind beliebte Flirtpartner, und wenn sie heiraten wird auch schon mal die Straße vor dem Feuerwehrhaus für den Polterabend gesperrt, weil da soviele Menschen zusammenkommen.
 Bei den Pfarrern dagegen sieht es schlecht aus. Nur 57 % der Deutschen vertrauen ihnen, und so richtig sexy finden einen Pfarrer höchstens noch ein paar ältere Damen, über die ich mich daher umso mehr freue. Besonders aber freut mich heute - bei meiner letzten Trauung hier in Wachenbuchen - zwei Menschen Gottes Segen zuzusprechen, für die die Feuerwehr ein Teil ihres Lebens ist. Bei der Freiwilligen Feuerwehr habt ihr euch kennengelernt und seit da erst mal aneinander geraten. Über den Bruder zu lästern weil der aufs Glatteis geraten war - das geht gar nicht, da musste die Braut die Familienehre verteidigen. Damit war für Dich als Mann dann klar: 1. Diese Frau steht für ihre Familie ein. Und 2., mit der wird es spannend. So waren eure langen Telefonate dann auch bald das Rezept gegen Langeweile. Dass Sie sich 3. dann auch noch als trinkfest erwies, steigerte das Interesse noch einmal, und Du bist mit dem Bruder in Verhandlungen eingetreten, wieviel für Sie wohl zu geben wäre, um Sie zu bekommen. Doch mit vielen Kamelen war da nichts zu erreichen, eher schon mit Mähdrescher, jedenfalls wenn man während des Mähdrescherfahrens 4 Stunden lang mit ihr telefoniert. Doch das kam erst später.
 Zuvor war da ein Datum und ein Treffen, das ihr als Beginn eurer besonderen Liebesgeschichte vermerkt. Nach 17 Jahren ohne ihn kamen nur also 17 Jahre mit ihm, mit allen Höhen und Tiefen und wie das bei der Feuerwehr so ist: Es hat auch mal gebrannt. Es musste auch mal gelöscht werden, aber das Entscheidende war, dass ihr immer wieder füreinander gebrannt habt.
Was das füreinander Brennen anging, da war die Clique dann noch ein zusätzlicher Brandbeschleuniger.
Ihr habt dabei entdeckt, was laut Umfrage auch die meisten Deutschen sagen: In Sachen Liebe gibt es nichts Besseres als einen Feuerwehrmann oder eine Feuerwehrfrau und bei Euch dann gar: nichts Besseres als genau diesen Mann und genau diese Frau. So war die Sache mit Vertrauen und Liebe dann ziemlich klar. Nur die Hoffnung, die hattest Du, liebe ..., zwischenzeitlich schon fast verloren - die Hoffnung, dass er Dir einen Antrag macht. Dass du dazu noch sagtest: Ich heirate bei keinem anderen Pfarrer als dem, der mich getauft und konfirmiert hat, ehrt mich einerseits und führte andererseits zu einer Anfrage von ihm bei mir, wie lange ich denn noch da sei. Damit war ein Termin gesetzt und es war klar: Jetzt muss es schnell gehen, eben wie bei der Feuerwehr. Die Drehleiter wurde organisiert und just vor das Haus und den Balkon gefahren, wo Du zum Mädelsabend warst. Die Vermutung mancher Anwohner "es brennt" war richtig, doch es brannte kein Haus, es brannte die Liebe. Die Rettung war für euch dann ein klares Ja bei diesem außergewöhnlichen Heiratsantrag.
 Euer Haus habt ihr euch schon gestaltet. Katzen sorgen für Leben. Ein Hund war bisher nicht möglich, weil der sich ja mit den Katzen vertragen müsste, aber wie wärst mit einer anderen Form von Leben, die auch durchaus mit Katzen aufwachsen kann.
 Nun ja, heute entzünden wir erstmal dazu eure Traukerze …
 
 Entzünden der Traukerze
 
 Musikstück
 
 Trauspruch: 1.Korinther 13,13
 Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen

Liebes Brautpaar, liebe Hochzeitsgemeinde,
 ein kleines Gespräch vor Beginn der Trauung habe ich belauscht. Da ging es darum, wer sonst noch so alles im Freundeskreis geheiratet hat. Manche nur standesamtlich, andere hatten eine freie Traurednerin, Hochzeit mit evangelischem Pfarrer oder katholischem Priester oder auch einfach nur ein Sommerfest, wo sich die Verwandtschaft mal kennenlernt. So im Alter um die 30 Jahre erlebt man so manche Trauung der Freunde und gewinnt dabei ein wenig Hochzeitserfahrung, vergleicht und bildet sich seine Meinung. Was kommt für einen selber vielleicht in Frage und was geht gar nicht.
Am Ende dieses belauschten Gespräches stand dann eine klare Erwartung an den Pfarrer, auch weil man schon abschreckende Beispiele erlebt hatte. Die Erwartung hieß: Hoffentlich redet er nicht soviel über Gott!
 Ich habe dann ein Stoßgebet zum Himmel geschickt: O Gott, du bist ganz schön in Verruf gekommen. Das ist ja auch kein Wunder, wenn sich allenthalben einer in die Luft sprengt mit den Worten: Allahu akbar, Gott ist groß. Das Wort "Gott", so scheint es, steht entweder für religiösen Fanatismus mit vielen Toten oder für eine Traditionsveranstaltung, die sich durch gepflegte Langeweile auszeichnet.
 Die Antwort Gottes auf mein Stoßgebet war: Benutz doch einfach meinen weiblichen Namen, und schon sieht die Sache anders aus!
 Der weibliche Name Gottes, der Evangelist  Johannes bringt es auf den Punkt: Gott ist Liebe. Reden wir also von der Liebe.  Schon klingt das ganz anders. „Die Liebe ist groß!“ Mit diesem Ruf sprengt sich keiner in die Luft. Da kommt niemand zu Tode. „Die Liebe ist groß“, mit diesem Ruf zeugen Zweie höchsten viele Kinder.
 
„Die Liebe ist die Größte“, mit diesem Trauspruch fangt ihr heute also schon mal an, und wir wünschen euch viele Kinder dazu - mindestens eins für jede von euren Katzen. Eine langweilige Traditionsveranstaltung wird das heute auch nicht. Dafür haben wir gute Musik. Auch so manche Überraschung wird noch auf euch warten. Was heute hier geschieht, ist dabei schon ein kleiner Hinweis darauf, was in eurer gemeinsamen Lebenszeit noch auf euch zukommt. Ein guter Heiratsantrag besteht ja schon darin, ihn auch als etwas Überraschendes zu inszenieren, damit der Partner schon mal weiß: Mit dem wird es nicht langweilig. Eure Liebe soll lange währen, aber nicht langweilen.
 
Nicht jede Überraschung wird harmlos sein. Zu den Entdeckungen aneinander gehört viel Schönes, aber manchmal auch Abgründe. „Wir sehen jetzt durch einen Spiegel ein dunkles Rätselbild“ schreibt Paulus unmittelbar vor eurem Trauspruch. Vertraut darauf, dass auch in manchem dunklen Rätselbild noch etwas Gutes steckt, ein guter Ausgang möglich ist. Zum alten christlichen Credo gehört in der ursprünglichen Version auch ein „Niedergefahren zur Hölle“. Aber das ist nicht das Ende, sondern es geht weiter: „auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel“. Wolfgang Petry hat es in seinem Lied "Wahnsinn" in eine moderne Variante übersetzt: Da folgt auf „Hölle“, „noch weiß ich, was ich will, ich will dich“. Hört also nicht auf, aneinander zu glauben, vertraut auf die Kraft eurer Liebe, vertraut darauf, dass eurer Liebe immer wieder Kraft von oben geschenkt wird.
 Glauben, Vertrauen, das ist selbst schon das erste große Geschenk der Liebe. Das lässt sich nicht erarbeiten und schon gar nicht erzwingen. Das geht nicht auf eigenen Entschluss, sondern das ist so wie in dem Evergreen der Monkeys "Believer": Ich dachte, wahre Liebe gäbe es nur im Märchen, dann sah ich ihr Gesicht, jetzt bin ich gläubig.
 „Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über Dir“, sage ich deshalb im Schlusssegen fast jeden Gottesdienstes ganz traditionell. Heute ist das auch der Segen für Sie alle, die Hochzeitsgemeinde. "Der HERR", das ist die alte patriarchale Übersetzung des Gottesnamens. Wer es heute lieber in der weiblichen Form hat, darf auch getrost sagen: Die Liebe lasse ihr Gesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Wenn das geschieht, dann wirst du gläubig, dann ist da Glauben und Vertrauen.
   Wie das aussieht, dürft ihr heute gerne in dem heiligsten Augenblick nach dem Trausegen darstellen: mit einem Kuss, mit einem tiefen Blick von Angesicht zu Angesicht, tief in eure Augen und auch Hand in Hand: Das ist Himmelfahrt, ein Stück vom Himmel.
 Es ist zunächst nur für einen Augenblick, aber dieser Augenblick der Ewigkeit macht Lust für ein ganzes Leben.
Ich wünsche, dass ihr euch so immer mal wieder begegnet, von Angesicht zu Angesicht, und alle Zweifel sind weg und da ist ein tiefer Glaube.
 
Um sich so begegnen zu können, braucht es auch immer wieder Distanz voneinander. Zum Atem der Liebe gehört der Wechsel von Nähe und Distanz. Aus der Distanz könnt ihr euch mit Schwung wieder nahe kommen. Es gehört deswegen auch die Geduld dazu, geduldig Distanzen aushalten und an der Hoffnung auf eine neue Begegnung festhalten. Da kann dann Glauben mit Glauben und Vertrauen mit Vertrauen beantwortet werden. Die Hoffnung erfüllt sich und es kommt zum Größten. In eurem Fall waren es jetzt 17 Jahre Geduld. 17 Jahre, in denen soviel an Vertrauen gewachsen ist. Und nun feiern wir die größte Hochzeit seit langem. Liebe hat Zeit, sie kann warten.
 
 Glaube, Hoffnung, Liebe als Trauspruch und Grundlage einer Ehe - das war nicht immer so. In den Nachkriegsjahren etwa war der biblische Wochenspruch dieser Woche ein beliebter Trautext: "Einer trage des anderen Last", Ehe als Lastengemeinschaft. Lange beliebt war auch die Ehe als Wirtschaftsgemeinschaft. Wieviele Acker Land bringt jemand mit ein als Massstab für die Aktraktivität des Partners – das ist auch nicht so lange her. Und katholisch durfte er auch nicht sein. Das Prinzip heute dagegen heißt: Nur die Liebe zählt. Da fragt niemand mehr nach der Konfession, weil Liebe die Konfession ist. Mittlerweile geht da auch Mann und Mann und Frau und Frau. Hauptsache sie lieben sich. Die Liebe ist das Größte.
 Das Ergebniss ist dabei durchaus erfreulich. Entgegen anderslautenden Gerüchten geht die Zahl der Scheidungen zurück. Die Ehen halten länger und sind glücklicher seit nicht mehr wirtschaftliche Gründe oder ein unverhofftes Kind der Grund zum Heiraten sind. Glaube, Hoffnung, Liebe - darauf lässt sich bauen.
 
 Die Liebe hört nicht auf und sie gibt nicht auf. Sie bewährt sich gerade in den Zeiten, in denen wenig von ihr zu sehen ist und nur der Glaube an das Unsichtbare bleibt. Sie ermutigt zu einem größeren und umfassendere Denken, das sich in den Schwierigkeiten bewährt.
 Da kommt einer zu mir in die Seelsorge und klagt: „Es ist so schwierig mit meiner Frau“. Ich antworte ihm erstmal: „Alle Frauen sind schwierig“. Doch das ist natürlich eine rein männliche Sichtweise und vermutlich, meine Damen, werden Sie umgekehrt das Gleiche sagen, oder vielleicht gar: „Männer sind noch schwieriger.“ Im Einzelfall können Sie sogar noch ergänzen: Meiner ist so schwierig - den hinzukriegen, das ist wirklich eine Lebensaufgabe. Doch wenn ihr die mit Lust und Liebe in Angriff nehmt könnt ihr guter Hoffnung sein.
 Die Kraft dazu wünsche ich euch beiden heute. Und ich gebe den Männer noch einen kleinen Tipp dazu. Es gehört zum Paradox der Liebe: Am besten kriegt man Sie hin, wenn man Sie so nimmt, wie Sie ist.
 
Wo die Liebe wächst, wachst auch ihr über euch hinaus. Es bleibt dann nicht bei dem Ja zwischen Zweien, dem Ja bei dem Antrag, dem Ja auf dem Standesamt, dem Ja hier vor Gott und der Welt. Da kommt mit der Zeit noch eine ganze Welt dazu. Heute sind schon mal ca. 120 Leute von ihr da; Menschen, die hier mitfeiern, die ihren Segen dazu geben und Teil eurer Liebe sind. Da sind Freunde, die euch schon mal ein paar kleine Aufgaben in den Weg legen, damit ihr zeigen könnt: Gemeinsam schaffen wir das. Da sind Menschen mit guten Worten, Eltern, die ihr Ja-Wort zu dem Euren geben. Großeltern mit der Freude, diesen Tag noch zu erleben. Und wer heute hier auf Erden fehlt - ich bin gewiss: Auch im Himmel ist jetzt Freude, denn die Liebe hört niemals auf.  
 
 

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